Live on stage (2004)

Am 14.04.2004 traten wir erstmalig auf. Die "Bandfabrik" zu Wuppertal sollte die Bühne für diesen Gig sein.
Der Auftritt, den Rollo organisiert hatte, ließ im Vorfeld eine große Anspannung in mir wachsen, die insbesondere damit zusammenhing, dass mein letzter Auftritt mit den BELINDAS schon eine unendliche Zeit zurücklag (jedenfalls "gefühlt").
Jeder bevorstehende Gig löst in mir eine ungeheuere Anspannung aus. Das hat insbesondere mit dem mir bekannten Manko in meiner Rolle als "Frontman" zu tun.
Ich halte mich für einen ganz passablen Sänger und stellenweise auch Instrumentalisten, aber ich bin ganz sicher keine geborene "Rampensau" (auch wenn mein Freund Jan immer das Gegenteil behauptet). Mit der Auskleidung dieser Rolle hatte ich immer zu kämpfen und ich fürchte - da ich jetzt mein 40. Lebensjahr vollendet habe - dass sich hieran auch nichts Entscheidendes mehr ändern wird.

Die ganze Anspannung wurde natürlich zusätzlich durch den Umstand gesteigert, dass es sich um den ersten Gig dieser - noch nicht "kampferprobten"- Gruppe handelte.
Ich versuchte, meine Unsicherheit durch eine etwas übertriebene Animation des Publikums zu kaschieren. Zu meiner Überraschung klopften mir Markus und Schorsch nach dem Gig wohlwollend auf die Schulter und bescheinigten mir eine "amtliche" Bühnenshow (vielleicht wars nur Mitleid, aber es hat sehr gut getan :-).
Die zwei waren sowieso die ganze Zeit über total cool und souverän drauf - besaßen also die nötige Lockerheit. Allerdings hatten wir auch zwei kleine technische Aussetzer, die im Nachhinein zwar sehr witzig sind, aber im Verlauf des Auftritts für einige Schweißperlen sorgten.
So "verstimmte" sich Joe's Keyboard - aus bis heute ungeklärten Umständen - nach dem Soundcheck um einen Halbton, was uns dazu zwang, den Song abzubrechen und von vorne beginnen zu müssen. Somit war der nächste Running-Gag vom verzeihbaren "Halbton unter Freunden" geboren. Was aber im Nachhinein für noch mehr Sticheleien sorgte, war das Wireless-System unseres Gitarristen Rollo, der sich beim letzten Song mit seiner Gitarre unter das Publikum gemischt hatte, um dort zum großen Final-Solo anzusetzen. Eigentlich 'ne schöne Idee - wenn man nur was von ihm gehört hätte. Da die Funkverbindung aber just in diesem Moment den Dienst versagte, beschränkte sich der Höhepunkt des Stückes auf Rollos entsetzten Gesichtsausdruck.
Insgesamt haben wir alle darüber gelacht, das Publikum war uns sehr wohl gesonnen und alles in allem war es ein sehr gelungener Auftritt.

Bereits einen knappen Monat später - am 08.05.2004 - hatten wir unseren zweiten Auftritt. Es handelte sich um eine von Conny und Joe organisierte Party in einem Kulturzentrum in Mönchengladbach-Rheydt. Das Ganze verlief - bis auf einige anfängliche Soundprobleme, die Joe aber zu beheben wusste - sehr gut. Die Location war gut besucht und bot aufgrund vieler afrikanischer Exponate eine sehr ansprechende, spezielle Atmosphäre. Wir hatten in der Zwischenzeit einige Stücke hinzugenommen und spielten das Programm insgesamt sehr souverän runter.

Da es mit dieser Band der erste Auftritt in meiner Heimatstadt war, waren natürlich auch viele Bekannte anwesend und fast alle bescheinigten uns anschließend, dass wir auf einem sehr guten Weg waren. Es schien also alles in Ordnung zu sein, war es aber leider nicht.

Ende des Experiments (2004)

Wir begannen, uns allmälig in (mindestens) zwei Lager aufzuteilen. Das war ein langsamer, schleichender Prozess, der sich aber in letzter Konsequenz nicht aufhalten ließ.
Es lag zum einen an unseren unterschiedlichen Charakteren und zum anderen auch an - mehr und mehr - auseinander gehenden musikalischen Vorstellungen. Die anfänglich vorherrschende Kompromissbereitschaft wich einer immer kleiner werdenden Schnittmenge.
Schubladendenken würde der komplexen Vielschichtigkeit des Problems zwar nicht gerecht werden, aber unter dem Strich waren wohl Conny und Joe auf der einen Seite und Markus und Schorsch auf der anderen die extremsten Gegenpole.
Aus heutiger Sicht würde ich sagen, dass Rollo und ich uns irgendwo dazwischen befanden, aber das ist nur eine subjektive Einschätzung und spielt eigentlich auch keine Rolle. Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich betonen, dass es hier nicht um irgendwelche Schuldzuweisungen geht, sondern lediglich um den Versuch, die Gründe für das Scheitern zu analysieren.
Und das ist - im Nachhinein betrachtet - eigentlich entwaffnend einfach. Es passte in dieser Konstellation auf Dauer schlicht und ergreifend nicht zusammen.
Markus und Schorsch tendierten mehr zu Festzelt- und partytauglichen Rocknummern, während Conny und Joe immer schon die gefühlvolleren, melodiöseren Stücke bevorzugten.
Joe fühlte sich als Keyboarder unterfordert und Conny verlor mehr und mehr die Lust, gegen die instrumentale Gewalt anzusingen. Sie ist halt nicht die "Rockröhre" und ihre gefühlvolle Stimme ging zunehmend unter. Das führte zwangsläufig zu großer Unzufriedenheit und der Konsequenz, dass die beiden mir im Herbst 2004 ihren Austritt erklärten.
Sie begründeten ihre Entscheidung mit der nicht mehr vorhandenen Vorfreude auf die Proben, welche aber der entscheidende Gradmesser für sie sei.
Das hat mich zwar nicht wirklich überrascht, aber dennoch emotional unerwartet hart getroffen. Wir waren gemeinsam einen so langen Weg gegangen, und ich realisierte jetzt, dass wir in einer Sackgasse gelandet waren.

Wir setzten uns zwar noch einmal mit allen zusammen, um irgendwie doch noch die Kurve zu kriegen, aber im Verlauf der Diskussion wurde deutlich: hier war tatsächlich Endstation.
Das Positive an dieser letzten Zusammenkunft war, dass wir nicht im Streit auseinander gingen, sondern alle gegenseitigen Unterschiedlichkeiten respektierten und wir uns recht harmonisch trennten.
Markus wollte nicht ohne Schorsch, Rollo nicht ohne Schorsch und Markus und somit war das Ende besiegelt.
 Die Tatsache, dass wir ein gutes halbes Jahr später anlässlich des 40.Geburtstages von Rollo ein Revival hinlegten und das Ganze zu meinem 40. vier Jahre später sogar wiederholten, zeugt wohl davon, dass trotz aller Differenzen grundsätzlich positive Erinnerungen mit MIND THE GAP verbunden sind. Für mich war das Ende dennoch ein wirklicher Schlag ins Kontor, da "mein Baby", in das ich soviel Energie und Hoffnung investiert hatte, nun tot war - und ich hatte einige Zeit daran zu knabbern.