Tolkiens Nichte im schwarzen Loch (2002-2004)

Ich hatte mit der Zeit den Eindruck, dass sich die Proben mehr und mehr auf ein geselliges Beisammensein reduzierten, welches ohne echte musikalische Ambitionen auskam - jedenfalls in meinem Sinne.

Da mich Joe Terstappen (siehe MIND THE GAP) schon ein Jahr zuvor mit der Idee fasziniert hatte, eine völlig neue Band auf die Beine zu stellen, sprach ich ihn in dieser Phase noch einmal auf seine Vorstellungen an.

Das Gespräch hatte zur Folge, die Jungs zu einem Gespräch zusammenzutrommeln und ihnen schweren Herzens meinen Ausstieg zu erklären. Ich hatte vorher zwar sehr mit mir gerungen, war aber letztlich hungrig auf neue Herausforderungen und wollte es nochmal wissen. Ich konnte mich einfach nicht mit diesem "Feierabend-Musiker-Dasein" abfinden - und kann es eigentlich auch bis heute nicht.

Jedenfalls boten wir Thomas den Posten als Drummer in der neuen Kombo an. Mir war völlig klar, dass der Ausstieg von Thomas und mir mit hoher Wahrscheinlichkeit zum unwiderruflichen Ende der Belindas geführt hätte. Doch zu meiner Überraschung lehnte Thomas nach relativ kurzer Überlegung ab, raufte sich mit den anderen Belindas zusammen und begab sich mit ihnen auf die Suche nach einem neuen Sänger.

Es gelang den Jungs, einen Sänger zu engagieren, dem wirklich meine volle Bewunderung zuteil wurde. Er war insbesondere in Sachen "U2" stimmlich zuhause und konnte auch darüber hinaus völlig überzeugen. Leider stieg er jedoch nach kurzer Zeit wieder aus und somit hatten die BELINDAS wieder ein Sänger-Problem.

Ich kam während meiner Zeit bei MIND THE GAP zwar mal hier und da zur BELINDAS-Probe, um die Fortentwicklung "meiner Jungs" zu beobachten, kann aber keinen wirklich intensiven Einblick in diese Phase bieten, da diese für mich eher ein "schwarzes Loch" darstellt.

Großen Anteil am Fortbestehen der Band hatte Jan, der in dieser Phase den Gesangspart übernahm (obwohl es nun wirklich nicht zu seinen Stärken zählt - Jan, ich hoffe, du verzeihst mir). Ich hörte zwar zwischendurch von wilden Geschichten, wie etwa von einer Nichte Tolkiens (Autor von
"Herr der Ringe"), die bei den Proben vorgesungen haben soll, aber diese geschichtliche Lücke sollten besser andere füllen.

Comeback (2005)

Nach dem Ende von MIND THE GAP bat mich Klaus, anlässlich des vierzigsten Geburtstags seiner Frau noch einmal bei einem BELINDAS-Gig mitzuwirken.

Da ich mich einerseits außerstande sehe, Klaus irgendeine Bitte abzuschlagen und andererseits auch selbst Lust hatte, nochmal mit den Jungs aufzutreten, sagte ich ohne Zögern zu.

Inzwischen hatten die BELINDAS in Gregor Hübner einen neuen Sänger gefunden, der für mich ein alter Bekannter aus BED & BREAKFAST - Tagen ist, da es sich nämlich um den Bruder unseres damaligen Sängers Guido handelt.
Im Gegensatz zu seinem Bruder hatte Gregor jedoch die Musik immer ernsthaft weiter betrieben und sich durch ein Studium insbesondere zu einem technisch hervorragenden Gitarristen mit ausgezeichntem Gehör entwickelt.

Ich glaube, dass er die BELINDAS zu Beginn als eine Art willkommene Spielwiese betrachtete, auf der er seine bis dato zu kurz gekommenen Gesangsanlagen ausprobieren konnte. Da Gregor in einer deutlichen höheren Stimmlage zuhause ist als ich, stand uns eine wesentlich größere Bandbreite an Coversongs zur Verfügung, die wir durch abwechselnden Leadgesang auszunutzen versuchten.
Für den anderen blieb jeweils der Part einer Begleitstimme, die ihres hinzutat, um die Songs gesanglich auf ein sehr anstäniges Niveau zu pushen.

Kurzum kam mit Gregor ein neues, erfrischendes Element in die Band, das mir schon in der Vorbereitung zum Auftritt viel Laune auf mehr bereitete. Der Auftritt selbst war dann auch folgerichtig der Schlüssel zu einer gemeinsamen musikalischen Zukunft, denn wir waren durch die Proben zusammengerückt und gaben ein sehr rundes Bild ab.

So wurde ich also 2 ½ Jahre nach meinem Ausstieg wieder ein BELINDA. Gregor griff nun auch wieder vermehrt zur Gitarre und so hatte jeder genügend Raum, um sich in der Musik auf seine Weise auszutoben und einzubringen.

Adieu Monaco - Bonsoir Odenkirchen (2005-2006)

Eines Tages kam Thomas geheimnistuerisch zur Probe und teilte uns feierlich mit, dass uns der Auftritt unseres Lebens bevorstünde.

Seine Schwester Ellen (Rennfahrerin mit Wohnsitz Monaco) schickte sich an, ihren vierzigsten Geburtstag zu feiern und hatte Thomas gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, dieses Ereignis musikalisch zu begleiten. Es war die Rede von einem Festzelt am Meer inklusive Übernachtung sowie Kost und Logis - in Monte Carlo!!!

Angeregt von dieser fantastischen Aussicht und folglich motiviert bis in die Fingerspitzen begannen wir, ein schlagfertiges Programm auf die Beine zu stellen. Es ist schon erstaunlich, was für einen Schub die Aussicht auf ein solch außergewöhnliches Ereigniss zu erzeugen in der Lage ist. Alle freuten sich verständlicherweise wie die sprichwörtlichen Honigkuchenpferde und keiner wollte sich ob des bevorstehenden Highlights blamieren.

Wenn man im Nachhinein eine Lehre aus dieser Geschichte ziehen kann, ist es wohl vor allem die Tatsache, dass der Mensch unter einem "gesunden" Druck in der Lage ist, viel mehr aus sich herauszuholen, als man landläufig vermuten dürfte.

Leider endete die Geschichte nicht mit einem Happy End, sondern mit einer herben Enttäuschung. Thomas erschien irgendwann etwas zerknirscht im Proberaum und teilte uns mit, dass die Geburtstagsfeier wegen entgegenstehender und unaufschiebbarer Termine seiner Schwester bis auf weiteres ins Wasser fiele - woran sich bis zum heutigen Tag leider nichts geändert hat.

Wir nutzten unseren gut trainierten Zustand dann für einen Auftritt anlässlich des 40ten Geburtstages unseres Keyboarders Jan in dessen Garten, was auch sehr schön war, aber - mit Verlaub und bei allem Spaß, den wir auf jeden Fall hatten - im Gegensatz zu der Vorstellung am Strand von Monte Carlo aufzutreten - nur ein kleines Trostpflaster darstellte.