Belindas im Radio (1999)

Wir hakten den Auftritt unter der Kategorie "Erfahrungswerte" ab und machten einfach weiter, indem wir "mal hier und mal da" spielten und einfach so vor uns hin probten.

Michel wurde eines Tages von einem Typen angerufen, der ihn wohl noch aus alten Tagen kannte und jetzt Journalist bei EINSLIVE war und fragte ihn, ob er uns während der Proben interviewen dürfe.

Da Michel nichts einzuwenden hatte, erschien er eines Tages mit einem kleinen schwarzen Kassettenrekorder und stellte uns Fragen.
Außerdem ließ er das Ding auch mitlaufen, während wir spielten. Er erklärte uns, dass er eine Dokumentation unter dem sinngemäßen Titel "Was aus Leuten, die in den 80er-Jahren von Träumen und Idealen angetrieben Musik machten, heute geworden ist" produzieren will und uns exemplarisch ausgewählt habe. Falls es zu einer Ausstrahlung kommen sollte, werde er uns rechtzeitig Bescheid geben.

Das Ganze geriet dann ein bisschen in Vergessenheit und niemand glaubte ernsthaft mehr daran, dass wir tatsächlich mal über EINSLIVE zu hören sein würden. Eines Morgens kam ich jedoch nichtsahnend zur Arbeit und wurde begeistert von Kollegen begrüßt, die mir aufgeregt ihre Glückwünsche zur gelungenen Radioreportage entgegenbrachten. Am Tag zuvor hatte EINSLIVE nämlich einen ca. 20-minütigen Bericht über die BELINDAS gesendet, in welchem neben den Interviews auch zwei Songmitschnitte enthalten waren.

Böses ahnend rief ich sofort Michel an, der mir - meine Ahnung bestätigend - mitteilte, dass er vorher einen Anruf von dem Journalisten erhalten habe, in dessen Verlauf ihm dieser auch den Sendetermin genannt hatte. Michel hatte dies jedoch leider keinem erzählt und es dann auch selbst vergessen.

Wenn ich das Adjektiv "belindas-typisch" beschreiben müsste, fiele mir hierzu keine passendere Vorgangsbeschreibung als die gerade geschilderte ein. Bis heute hat keiner von uns den Bericht je zu Ohren bekommen.

Das Ende (2000)

Den letzten Auftritt in dieser nun schon lange Jahre bewährten Besetzung bestritten wir auf der Hochzeit unseres Freundes Christoph 1999 im Geneikener Bahnhof zu Rheydt. Das Ende kam auf leisen Sohlen, aber - im Verhältnis zur Dauer unserer Existenz als Band - eigentlich recht schnell innerhalb eines Jahres (2000).

Michel zog nach reiflicher Überlegung nach Hamburg, um sich seinen Lebenstraum zu erfüllen und dort einen Neuanfang zu wagen. Er sagte mir später mal, dass die BELINDAS bis dahin
 der einzige Grund waren, diesen Schritt nicht schon viel früher gemacht zu haben. Michel war bzw. ist durch seine warmherzige und lustige Art (der klassische "Man-kann-ihm-einfach-nicht-böse-sein"-Typ) persönlich ein herber Verlust. 

An der Gitarre wurde er dann durch Klaus Lohmanns ersetzt. Ich kannte Klaus ja bereits von früher (siehe Bed & Breakfast) und wir hatten vorher auch schon auf seiner Hochzeit gespielt. Dass Klaus spontan zugesagt hat und wir somit nach all den langen Jahren wieder zusammen
in einer Band spielten, war für mich eine besonders große Freude.

Dann kams aber ganz dicke, denn auch Marc teilte uns mit, dass er wegziehen würde. Bei ihm war es nicht das Fernweh, sondern die Liebe, die ihn dann nach Regensburg zog (die Liebe ist inzwischen einer neuen gewichen, Regensburg ist jedoch geblieben).

Der Verlust war persönlich und musikalisch (so gute Bassisten sind rar gesät) so verheerend, dass Thomas und ich eine Krisensitzung einberiefen, in der wir ernsthaft darüber nachdachten, alles hinzuschmeißen. In diesem Moment hing der Fortbestand der Band zum ersten Mal sprichwörtlich am seidenen Faden. Doch wir berappelten uns irgendwie und machten uns - getreu dem Motto "jetzt erst recht" - auf die Suche nach einem neuen Bassisten.

Der Neubeginn (2001)

Ich hatte bereits einige Zeit vorher - und zwar wieder einmal durch eine Freundin meiner "besten Ehefrau von allen" - einen Bassisten kennengelernt (welch' erstaunliche Dublizität
der Ereignisse !)

Norbert Moll (wie ich finde, ein überaus passender Name für einen Musiker) war und ist
"von Hause aus" eigentlich Gitarrist, suchte sein Glück zu jener Zeit jedoch in einer anderen Gladbacher Kombo auf dem dicken 4-Saiter.

Da er mir häufig erzählte, dass sich seine Suche nach dem Glück jedoch schwierig gestaltete, startete ich nun einen heimtückischen Abwerbungsversuch. Norbert willigte nach kurzer Zeit ein und packte seinen (Bass-) Koffer, ohne dass ich meine Überredungskünste hätte überstrapazieren müssen. Somit hatten wir nun also eigentlich wieder eine schlagkräftige Truppe beisammen.

Aber wir bekamen sogar noch weiteren Zuwachs. Jan Jäger ist nicht nur mein Schwager, sondern gleichzeitig wohl auch mein bester Freund (diese schlichte Bewertung genügt zwar nicht im geringsten der Anforderung, das recht komplexe Verhältnis zwischen uns zu beschreiben, ist aber im Ergebnis richtig).

Mir schwebte vor, unsere Musik jetzt auch durch Piano- und Keyboardtöne zu bereichern.
Jan, der sich bis zum heutigen Tage selbst als "Nicht-Musiker" bezeichnet, hatte zuvor bei einigen gemeinsamen Aufnahmen bereits ein paar Tasten in ganz passabler Form bedient.
Da die BELINDAS traditionell und in erster Linie eine eher gitarrenbetonte Linie verfolgen und Jans Mitwirken sich daher auf eher kleine "kosmetische" Einlagen beschränken sollte, hielt ich seine Künste in dieser speziellen Rolle für ausreichend.

Der wirkliche Gewinn für die Gruppe ist allerdings hauptsächlich in seiner Rolle als Mensch, Freund, Komiker, Kumpane und "Steh-auf-Männchen" zu sehen. Diese Bewertung soll seine musikalischen Qualitäten nicht schmälern, sondern vielmehr seine menschlichen unterstreichen.

So wurde also aus einem Quartett ein Quintett und es lief auch gar nicht so schlecht an. Wir versuchten, ein Programm auf die Beine zu stellen und alle möglichst gut zu integrieren. Das Ganze plätscherte so eine Weile vor sich hin..... und plätscherte..... und plätscherte..... und irgendwann kamen mir die ersten Bedenken.