Was steht auf dem Programm?

Die nächste Zeit wurde hauptsächlich dazu genutzt, ein live-taugliches (Cover)Programm auf die Beine zu stellen. Bei der Auswahl der Stücke wurde es naturgemäß auch mal schwierig, sich auf einen gemeinsamen Nenner zu einigen. Besonders erstaunlich fand ich hierbei die Tendenz gerade der jüngeren Bandmitglieder, sich für ältere Stücke - vorzugsweise aus den 80er Jahren - zu erwärmen. Ich hingegen war und bin grundsätzlich mehr daran interessiert, halbwegs aktuelle Sachen mit in Boot zu nehmen.

Vielleicht war diese Unterschiedlichkeit aber auch oder gerade der Schlüssel zu dem bunten Programm, das am Ende dabei heraussprang und unterschiedlichste Stile und Zeiten unter einem Dach vereinte.

Besonders viel Freude machten mir die Stücke, die wir durch eigene Arrangements verfremdeten und ihnen hierdurch einen neuen Stempel verpassten. Hierbei vermischten wir teilweise auch Songthemen oder versuchten, musikalische Gags unterzubringen.

Auf diese Weise kann Kreativität auch bei Covermusik zur Entfaltung kommen - ein Ansatz, den wir vielleicht noch hätten intensiver verfolgen sollen.

Auf der anderen Seite wollten wir aber auch möglichst bald auftreten und brauchten daher möglichst schnell viel Spielzeit - und die war natürlich eher durch originalgetreues Covern realisierbar.

Bereits jetzt zeichnete sich ab, dass wir hauptsächlich ein Zeitproblem hatten.

Der Spagat zwischen einem kreativen und qualitativ hohen Anspruch auf der einen Seite und dem Wunsch nach möglichst vielen Auftritten in kurzer Zeit auf der anderen Seite war mit dem uns zur Verfügung stehenden Zeitbudget schwer zu meistern.

Letzteres fiel eher übersichtlich aus, da uns zum einen der Proberaum nur begrenzt zur Verfügung stand und außerdem fast alle Musiker auch gleichzeitig in anderen Bands oder Projekten aktiv waren. Und dann wird es naturgemäß schwierig, ausreichend viele gemeinsame Termine zu finden.

Aber noch waren wir guter Dinge und versuchten, in der uns zur Verfügung stehenden Zeit das Optimum herauszuholen.

Dazu gehörte - neben den Proben - natürlich auch eine vernünftige PR-Arbeit.

So machten wir im Sommer 2011 ein Fotoshooting und realisierten daraufhin einen Webauftritt, dessen gelungene Gestaltung im Wesentlichen Joes Tochter Ines zu verdanken ist.

Gleichzeitig nahmen wir einige Demosongs auf, von denen ich Roachfords "This generation" mit Fug und Recht als meine beste Homerecording-Produktion überhaupt bezeichnen würde.

Drei Demosongs wurden dann als Slideshows auf youtube veröffenlicht - zwei Livemitschnitte sollten noch folgen.

Wir hatten also im Prinzip alles in die Wege geleitet, was wir uns vorgenommen hatten, um für kommende Auftritte gewappnet zu sein. Doch diese kommen einer noch völlig unbekannten Band ohne jegliche Lobby bzw. hilfreiche Vernetzungen dann doch leider nicht wie die Tauben in den Mund geflogen.

Es sollte noch bis zum 11.11.11 dauern, bis es endlich soweit war.

11.11.11

Dieses historische Datum war Anlass einer gemeinsamen Geburtstagsfeier von Joes Töchtern Ines und Alessa - einem Zwillingspaar, das sich zwecks Studium in unterschiedliche Teile der Republik hatte verabschieden müssen.

Diesem Umstand war es zu verdanken, dass die Hütte an jenem Abend erstens voll und zweitens das Publikum von unterschiedlichster Herkunft und bunter Vielfalt geprägt war.

Joe hatte auch in Sachen Licht und Technik weder Kosten noch Mühen gescheut, dem besonderen Anlass einen würdigen Rahmen zu verleihen.

So wurden wir erstmals vom Booster-Frontmann Rene Pütz abgemischt und hatten einen wirklich mehr als amtlichen Sound.

Der Auftritt verlief dann auch so gut, wie man es sich als Akteur auf der Bühne nicht besser wünschen kann. Eine ausgelassene und tanzhungrige Menge, die gar nicht genug bekommen konnte, brachte das Mauerwerk zum Beben.

Und das bei der Premiere eine Programms, in dem wir durchaus auch etwas unkonvetionellere Stücke untergebracht hatten. So würde ich z.B. die sehr jazzige Jamie-Cullum-Adaption von Rihannas "Don't stop the music" für eine Coverband schon als eher gewagt bezeichnen - genauso wie unsere eigenen Arrangementmodifikationen. Dass aber gerade solche Stücke vom Publikum honoriert wurden, hat uns natürlich besonders gefreut. Gut - nicht jeder von uns plazierte musikalische Gag ist auch beim Publikum wie erwünscht eingeschlagen, aber das kann man wohl realistischerweise auch nicht erwarten.

Unterm Strich bleibt mir dieser Gig als wohl konkurrenzlos bester Auftritt von 2nd Sunday in Erinnerung - das war einfach klasse und hat riesig Spaß gemacht.